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Die Schattenseiten der Fußball WM Brasilien 2014

Die Schattenseiten der Fußball WM Brasilien 2014
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So schön die Fassade der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 von außen aussehen mag, gibt es auch viele negative Schattenseiten, die kaum mediale Aufmerksamkeit erhalten. Da die Fußball WM 2014 extrem hohe Kosten für Brasilien verursacht, nahmen bisher über 2 Millionen Menschen aus über 400 verschiedenen Städten an Protesten teil, um die WM zu boykottieren.

Brasilien erlebte in den letzten Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dies war auch einer der Gründe für die Bewerbung der Austragung der Fußball Weltmeisterschaft 2014. Neben Brasilien bemühte sich auch Kolumbien um eine Bewerbung, zog diese aber kurz vor der ablaufenden Abgabefrist zurück. Brasilien war somit der einzige Bewerber und erhielt somit auch konkurrenzlos den Zuschlag der FIFA.

Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. So schön und wunderbar die Fußball WM angepriesen wird, bringt dieses Event auch viel Negatives.

Die teuerste WM aller Zeiten

Zehnmal so teuer als zu Beginn angenommen sollen allein die Kosten für die renovierten und neu gebauten Fußballstadien sein. Dazu kommen noch die Kosten für Flughäfen, Häfen, Transportsysteme und im Tourismus- und Sicherheitsbereich dazu. Nach neuesten Schätzungen sollen die  Gesamtkosten in etwa 10,5 Milliarden Euro betragen. Dies entspricht einer Steigerung der offiziellen Prognose 2011 um ganze 15%.

Insgesamt wird die Weltmeisterschaft 3 Mal so teuer werden wie die WM in Deutschland 2006, da Brasilien nicht über die nötige Basis-Infrastruktur verfügt und somit sehr viel Geld in Transport- und Logistiksysteme investieren muss. Bedenkt man die noch immer im großen Ausmaß vorhandene Armut im größten Teil des Landes, scheinen diese horrenden Ausgaben etwas falsch angelegt.

Dies ist auch der Grund, warum die Einwohner Brasiliens auf die Straße gehen und protestieren. Die ausgegebenen Milliarden, sollten in Bildung, Gesundheitsversorgung und andere wichtige Dinge fliessen, und nicht in den Neubau von Stadien.

Bekräftigt werden diese Proteste von Berichten aus Südafrika, dem Austragungsland der WM 2010. Dort verwaisen gerade die Stadien, welche extra für die Weltmeisterschaft errichtet worden sind. Plan war es, die WM-Arenen für andere Großveranstaltungen und Konzerte weiterhin zu nutzen. Selbiger Plan gilt auch für die Stadien in Brasilien. Realisierbar sind diese Pläne aber wohl genauso schwer wie am Kap der Guten Hoffnungen.

Ein weiteres finanzielles Problem, welches auf Brasilien zukommt, sind rießige Steuerverluste. Da die FIFA und zahlreiche WM-Sponsoren keine Steuern im Austragungsland zahlen müssen, verliert das Land allein geschätzte 500 Millionen Euro an Steuereinnahmen. Dazu kommt noch, dass die FIFA das Exklusivrecht besitzt, nur eigene Merchandise Artikel an den Stadien verkaufen zu können. Dies gilt im Umkreis von 8 Kilometern.

„Die Stadien würden weitgehend privat finanziert“, lauteten die Aussagen der Politiker vor Beginn der immensen Bauvorhaben. Diese Schwüre sind gebrochen und der Bund alleine muss das größte Finanzvolumen in Höhe von 6,3 Milliarden Euro bereitstellen.

Ungeachtet aller negativer Schlagzeilen investiert die öffentliche Hand Brasiliens weiterhin Millionen für Millionen in die WM, während die öffentlichen Schulen in Brasilien kaum genug Geld zur Verfügung haben, um zu überleben.

Besser wird die finanzielle Situation von Brasilien nach dem Ende der Fußball WM auch nicht werden, denn 2 Jahre später folgt die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2016, welche in Rio de Janeiro stattfinden werden.

Die Umstände in Brasilien

Neben den immensen Kosten der WM, gibt es so kurz vor Beginn dieses Großevents auch noch einige andere Probleme.

Rechtzeitige Fertigstellung der Baustellen

Die womöglich größte Schwierigkeit könnte die nicht zeitgerechte Fertigstellung von Stadien sein. Davon betroffen sind vor allem die WM-Arenen in São Paulo und Curitiba.

Beim Stadion in São Paulo, in dem unter anderem das Eröffnungsspiel von Gastgeber Brasilien gegen Kroatien geplant ist, darf laut Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke keine Minute mehr verloren gehen. Ursprünglich wurde die Fertigstellung aller Stadien bis Dezember 2013 angedacht. Nun hofft man, dass man die Bauarbeiten spätestens bis 13. Mai abschließt. Der entscheidende Testlauf in der so wichtigen WM-Arena soll am 17. Mai beim Erstligaspiel zwischen den Corinthians und Figueirense stattfinden.

Zu diesem Problem gesellt sich noch ein weiteres, welches eigentlich weit dramatischer ist. Während dem Bau des Stadions ereigneten sich 2 schwere Unfälle, bei dem 3 Bauarbeiter starben. Auch bei Baustellen bei anderen WM-Arenen gab es Sicherheitslücken und Todesfälle zu berichten. In der Amazonas Arena in Manaus kamen mittlerweile sogar 4 Arbeiter ums Leben. 2 davon starben, weil Sie das Gleichgewicht bei Dacharbeiten verloren haben und in die Tiefe stürzten.

Das Bild oben zeigt einen Kran-Umsturz, bei dem ebenfalls 2 Bauarbeiter ums Leben kamen. Bei diesem Unfall ist möglicherweise das Gewicht falsch kalkuliert worden und zerquetschte förmlich die auf dem Hilfskran arbeitenden Männer.

„Plattwalzen“ von Favelas

Ein weiteres schwerwiegendes Problem ist die regelrechte „Bereinigung“ der WM-Städte. Brasilien ist bekannt für seine Favelas. Dieser Ausdruck bezeichnet ein Armenviertel, welche vor allem in Randlagen der Großstädte Brasiliens vorkommen. Diese Siedlungen sind meistens illegal bewohnt, was bedeutet dass die Bewohner den Grund, auf dem sie wohnen, nicht besitzen.

Da diese Favelas nicht sehr ansehnlich sind und der Platz für die WM 2014 anderwertig genutzt werden will, werden viele dieser Viertel aus Imagegründen einfach abgerissen. Derzeit vermutet man, dass bereits zirka 250.000 Personen aus ihren Häusern vertrieben wurden.

Es steht ebenfalls im Gespräch, eine der besten Schulen Brasiliens neben dem Maracanã Stadion abzureißen, um einen größeren Parkplatz für das Fußballstadion zu errichten.

Diese Zwangsumsiedlung verletzt außerdem die Menschenrechte auf Wohnen und Bewegungsfreiheit aller Betroffenen und darüber hinaus verursachen die rießigen Baustellen oft Umweltzerstörungen und auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit dieser Vorhaben ist sehr zweifelhaft.

Und die Gewinner sind…

Wenn Sie sich jetzt Fragen, ob sich die WM Endrunde 2014 in Brasilien überhaupt in irgendeiner Art lohnt, die Antwort ist Ja. Die Gewinner dieser Großveranstaltung sind die Banken, die ausländischen Immobilienunternehmen, die für die Bauprojekte in Brasilien engagiert werden und die Tourismusbranche. Wenn Sie sich nun wieder Fragen, wieso ausländische Immobilienunternehmen und nicht Brasilianische: Scheinbar bieten nur genau diese die benötigten Bautechnologien an.

Von diesen Einnahmen wird die brasilianische Bevölkerung wohl kaum profitieren. Aufgrund der horrenden Ticketpreise wird sich der Großteil vermutlich nicht einmal eine Eintrittskarte zu einem der WM-Spiel leisten können.

Proteste, Ausschreitungen und Kämpfe auf Brasiliens Straßen

Die Unzufriedenheit der brasilianischen Bevölkerung macht sich auch in Form von Protesten, Ausschreitungen und Kämpfen bemerkbar, welche sogar soweit gehen, dass Menschen ihr Leben verlieren.

In den Favelas von Rio de Janeiro wächst knapp vor Beginn der WM der Widerstand gegen die umstrittene Politik und die enormen Investitionen für die Weltmeisterschaft. Hier wohnen die Verlierer dieses Großevents. Die brasilianische Arbeiterklasse, welche außer steigenden Lebenshaltungskosten und Mieten nichts von der WM hat.

Das Bild darunter zeigt einen Polizeieinsatz gegen gewalttätige Demonstranten in einem Armenviertel nahe der Copacabana, dem so berühmten Strand in Rio de Janeiro. Bei diesen Einsätzen kommt es ständig zu mehreren Festnahmen und Todesfällen.

Fast täglich ereignen sich Ausschreitungen im Land des Sambas. Kürzlich wurde in São Paulo in ein Busdepot eingebrochen und mehr als 20 Busse in Brand gesetzt. Die bewaffnete Bande rächte damit vermutlich den Tod eines 19 jährigen, der als mutmaßlicher Drogendealer bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde. Auch ein 25 Jahre alter Tänzer, der in einer brasilianischen Musiksendung im Fernsehen auftrat, wurde als verdächtiger Drogendealer von Polizisten hingerichtet.

Der Höhepunkt der Massenproteste und Ausschreitungen bisher erreignete sich während dem Confederations-Cup 2013. Das Turnier im Vorfeld zur WM wird vorrangig dafür veranstaltet, um die bisher vorhandene Infrastruktur und die Stadien für den Höhepunkt im darauffolgenden Jahr zu testen.

Das Bild zeigt gewaltsame brasilianische Protestanten, die im zuge von Straßenschlachten ein Polizeiauto demolierten. Insgesamt protestierten über 2 Millionen Brasilianer und Brasilianerinnen gegen die Austragung des Confed-Cups, der bevorstehenden Weltmeisterschaft 2014 und die darauf resultierenden Preiserhöhungen.

Zunächst verliefen die Demonstrationen friedlich, bis die Polizei Tränengas-Granaten einsetzte und die Situation eskalierte. Im folgenden Video sehen Sie einige Ausschnitte der radikalen Ausschreitungen.

Fifa.com Hack mit Samba-Blatter

Sogar im World Wide Web gibt es einen Protest gegen die Weltmeisterschaft in Brasilien. Bekannt geworden ist dieser Hack unter dem Hashtag #Sambahack. Diese Kampagne gegen die WM 2014 wurde von der schweizer Gruppe Solidar Suisse ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, das Debakel der WM 2010 in Südafrika nicht zu Wiederholen. Dort wurden, wie bereits erwähnt, ebenfalls unglaubliche Geldsummen in Stadien und Hotels investiert, welche nun kurz vor dem Abriss stehen weil sie kaum Verwendung finden.

Die Seite auf der dieser Hack zu sehen ist, lautet fifa-brazil-2014.com. Diese Webseite ist keine Kopie der Fifa-Seite, sondern immer die aktuelle Version der offiziellen FIFA Seite, die von der Seite der Solidar Suisse überlagert wird. Dieser virale Schachzug diente dazu, Aufmerksamkeit zu erregen – mit Erfolg. Mit bereits knapp 350.000 shares auf Facebook oder retweets auf Twitter scheint diese online Protestaktion ein voller Erfolg gewesen zu sein.

Wie sie auf dem Screenshot sehen können, ist bei diesem #Sambahack FIFA President Sepp Blatter in einer Komikversion zu sehen, zu brasilianischer Musik und in einem aufreizenden Sambakostüm tanzend.

Es bleibt zu Hoffen, dass die bevorstehende Fußball WM friedlich verlaufen wird und der Sport dabei im Vordergrund steht. Zudem lebt das Land Brasilien diesen Sport und ist ebenfalls der regierende Rekordweltmeister. Mehr als 60 Jahre nach der ersten Austragung der WM Endrunde gebührt diesem Land auch die Ehre, das wichtigste Fußballturnier der Welt erneut austragen zu können.

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